Homeschooling FAQ`s

Warum macht ihr Homeschooling?

Unser ältester Sohn hat uns auf diesen Weg geführt. Er kam mit der Schule ab der zweiten Klasse nicht mehr zurecht und die Lehrer mit ihm auch nicht. Darum haben wir ihn vor zwei Jahren mehr aus einer Notsituation heraus aus der Schule genommen. Von da an haben wir uns mehr und mehr mit dem Thema Homeschooling, freies Lernen, Unschooling, wie lernen Kinder eigentlich und mit ähnlichen Fragen auseinandergesetzt. Mehr und mehr wuchs die Begeisterung. Alles, was wir darüber gelesen und gesehen haben, leuchtete uns ein. Sodass wir zum Schluss kamen, dass das Freie Lernen eigentlich für alle Kinder genial wäre, nicht nur für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. So haben wir schlussendlich auch unseren zweiten Sohn nach der 1. Klasse aus der Schule genommen. Die kleine Schwester besucht im Moment noch das erste Kindergartenjahr.

In der Schule lernen die Kinder ja auch, wie man miteinander umgeht. Wie soll das ein Kind zu Hause lernen?

Das ist mit Abstand die am meisten gestellte Frage. Manchmal kontere ich dann etwa so: “ Wenn man in der Schule so gut sozialisiert wird, sollten ja nach den neun obligatorischen Schuljahren lauter Profis im sozialen Bereich rumlaufen. Ist dem denn so?“ Was heisst eigentlich sozial? Wie stellen wir uns denn einen Schulabgänger vor im sozialen Bereich? Hilfsbereit, mutig, (auch zu eigenen Meinung, Ansicht zu stehen) ehrlich, kooperativ, offen, kontaktfreudig, engagiert, eigenverantwortlich, konfliktfähig, arbeitswillig, das sind nur ein paar Eigenschaften, die eine im positiven Sinne sozialisierte Person in sich vereint. Was ich in den Schulen beobachte ist vor allem eins: Die Kinder müssen angepasst , ruhig, still und kooperativ sein. Wenn in einer Lektion die Kinder vor allem still sein müssen, bietet das wenig Spielraum sozial zu interagieren. Das darf man ja gar nicht. Man muss still sein. Das ist ein Gedanke. Ein anderer ist der der Gleichaltrigenorientierung. Ein zunehmendes Problem, das unterschätzt oder gänzlich ignoriert wird. Kinder orientieren sich fast nur noch an ihren Gleichaltrigen. Das führt dazu, dass einerseits der Druck steigt, denn sie müssen um jeden Preis cool sein und mithalten. Das Konkurrenzdenken und dauernde Vergleichen ist enorm gross. Der Druck ist enorm. Die Kinder machen sich gegenseitig noch zusätzlich fertig mit Hilfe von Gruppen Chats. Anderseits lassen sich die Kinder und später vor allem die Jugendlichen kaum mehr etwas sagen von einem Erwachsenen. Jugendliche wissen auch kaum mehr, wie man mit einem Erwachsenen ein Gespräch führen kann.

Es ist ja nicht so, dass wir unsere Kinder isolieren. Ich betreue seit Jahren wöchentlich drei Tageskinder, zu denen unsere Kinder eine Beziehung haben wie unter Geschwister.  Zudem gehen die Kinder in Sportvereine (Geräteturnen, Tennis, Jugi, Theatergruppe,..) und machen regelmässig mit Nachbarskindern ab.

Ein Kind braucht eine altersdurchmischte Gruppe, in der wenn möglich jede Generation vertreten ist. So kann es bei den Älteren abschauen und sich unterordnen und fürsorglich sein mit den Jüngeren. Keine Konkurrenz, keinen Druck. In einer Gesamtschule kennt man übrigens das Problem von Mobbing, Druck, Konkurrenz und Gewalt weniger, als in Schulen, wo alle Kinder in der Klasse gleich alt sind.

Könnte eigentlich einfach jeder Homeschooling machen?

Zumindest im Kanton Bern ist die rechtliche Situation sehr homeschoolingfreundlich. Es genügt eine einfache Bewilligung beim Schulinspektorat. Man braucht auch kein Lehrerpatent wie in anderen Kantonen. Wie die Gesetzgebung in allen anderen Kantonen ist, kann man auf der Website vom Verein Bildung zu Hause nachlesen.

Abgesehen von der rechtlichen Situation bin ich überzeugt, dass alle Eltern ihre Kinder homeschoolen könnten, egal welchen Bildungsstand die Eltern haben. Jedes Kind kommt auf die Welt und lernt von Anfang an. Ohne Druck und Noten können die meisten Kinder mit 2 Jahren gehen und sprechen.  Manchmal sogar mehrsprachig! Warum sollte das im Schulalter plötzlich nicht mehr gehen? Kinder haben eine ganz natürliche Neugier und wollen lernen! Wenn Eltern gerne mit den Kindern Zeit verbringen, gerne mit den Kindern die Welt entdecken und eine gute Beziehung haben zu ihnen, können alle Eltern Homeschooling machen. Rein vom Können her.  Was es braucht ist viel Vertrauen ins Kind, Interesse selber zu lernen, Zeit und eine einladende Lernumgebung. Wenn ein Kind mit Begeisterung lernt, wird es das Gelernte auch speichern. Alles andere haben auch wir Erwachsene nach kurzer Zeit vergessen.

Versinkst du nicht in Arbeit? Wann hast du mal Zeit für dich?

Zugegeben, es ist mit grossem Engagement verbunden. In unserem Fall ist es aber so, dass es ein mindestens ebenso grosses wenn nicht grösseres Engagement meinerseits verlangen würde, wäre unser Ältester in der Schule. Ich hätte zwar am Morgen eine Pause, wäre aber ganze Nachmittage damit beschäftigt mit Lionel Hausaufgaben abzuackern, was mit stundenlangem Streit und Kampf verbunden wäre. Hinzu kämen all die Telefonate von Heilpädagogen, Lehrern, Psychomotoriklehrern und Eltern, die mit unserem Sohn nicht zurechtkommen. Die Beziehung zwischen mir und meinem Sohn würde Schaden nehmen.  Dann sind ja auch noch die anderen beiden Kinder, die auch mit positiven und negativen Erlebnissen nach Hause kommen. Es gilt diese mit den Kindern zusammen zu verarbeiten.

Man weiss, dass Homeschooling rein vom Lernstoff her viel effizienter ist, als das Lernen in der Schule. Von dem her muss ich ja nicht den ganzen Morgen mit den Kindern büffeln. Ein grosser Teil des Lernstoffes der Unterstufe fliesst im natürlichen täglichen Leben ein. Haushalt, Planung, Kochen, Garten, Tischgespräche,… Die Kinder lernen sehr vieles über die Erfahrung. Man muss einfach wegkommen vom klassischen schulischen Denken und dem Wunder Mensch Vertrauen schenken. Wir sind halt alle so geprägt, dass wir denken, man könne nur auf der Schulbank lernen. Aber ich staune immer wieder, wie viel die Kinder von alleine im Spiel oder beim Mitarbeiten mit Begeisterung lernen.

Hinzu kommt, dass wir ein Aupair-Mädchen aus der französischen Schweiz haben, die mit uns lebt. Sie entlastet mich auch sehr mit ihrer Mitarbeit im Haushalt und im Spiel mit den Kindern. Das schafft mir Freiräume für Sport und Hobbies.